Als Walter Bonatti und sechs weitere junge Bergsteiger im Jahr 1961 versuchten, den Frêney-Pfeiler am Mont Blanc als Erste zu durchsteigen, hielt ein plötzlicher Wettersturz mit Schneefall und Sturm sie in rund 4.500 Meter Höhe tagelang gefangen. Während des dramatischen Rückzugs aus der Wand starben vier von ihnen an Erschöpfung und Unterkühlung. Und auch in späteren Jahren riskierten Bergsteiger und Kletterer, die eine noch jungfräuliche Felswand „erobern“ wollten, oft Kopf und Kragen. Gibt es heute noch solche Helden der Berge, oder hat das allgemeine Sicherheitsbedürfnis auch die Lust am alpinen Risiko erstickt? Diesen und ähnlichen Themen zum Klettern in den Alpen widmet sich das topoguide-Magazin, das unter http://www.topoguide.de GRATIS heruntergeladen werden kann.

Heutzutage ist Klettern eine Trendsportart, und eine breite Bevölkerungsschicht folgt dem Ruf der Felsen. Im Zeitalter von Airbag, Reiserücktrittversicherung und jeder nur denkbaren Vorbeugemaßnahme gegen das Ungewisse stellt sich die Frage, ob diese Menschen noch etwas mit den Bergpionieren des vorigen Jahrhunderts gemein haben, oder ob das einstige Draufgängertum ein Opfer des modernen Lebensstils geworden ist und wir zu einer Gesellschaft von „Weicheiern“ degeneriert sind.

Früher waren für jeden Kletterer die Alpen das Ziel der Begierde. Die heimischen Felsen – meist 10 bis 30 Meter hohe sogenannte Klettergärten – wurden eher notgedrungen als Trainingsgelände genutzt. Auf diese Trainingsfelsen wurden die Prinzipien und die Ethik der Alpintouren übertragen, so dass ein gerüttelt Maß an Mut und Erfahrung nötig waren, um eine Klettertour zu bestehen. Heutzutage zieht es bei Weitem nicht mehr jeden Kletterer in die Berge: Viele – vor allem jüngere – Sportler bleiben in den Klettergärten oder an kleinen „Boulderfelsen“ der Mittelgebirge. Mittlerweile hat sich sogar die Kategorie der Hallenkletterer etabliert, die ihr Hobby fast ausschließlich in einer Art Turnhalle betreiben. Unabhängig von Wind, Wetter, Steinschlag und anderen Gefahren. Diese Gruppen bevorzugen also aus unterschiedlichen Gründen handlichere Ziele als die hohen Wände der Alpen. Ein gegenüber früheren Jahrzehnten verändertes Risikoempfinden ist einer dieser Gründe.

Fest steht, dass viele Kletterer im Laufe der Jahre dem Sicherheitsaspekt gegenüber dem Erlebniswert einen höheren Stellenwert einräumt. So sagte Adi Stocker, österreichischer Kletterführerautor und Erstbegeher vieler Klettertouren in einem Interview: „20 Jahre danach bezweifle ich manchmal, dass ich noch viel mit jener Person, die ich damals war, gemeinsam habe. [...] Die in mir aufkeimende Wehmut, wenn ich an die erlebnisgeprägten frühen, alpinen Jahre zurückdenke, vergeht jedoch rasch, wenn ich die Vorzüge der Gegenwart betrachte“, nachzulesen in „Kletterführer Alpen Band I“, http://www.topoguide.de. Diese Entwicklung ist keineswegs ein Einzelfall oder einer abnehmenden Leistungsfähigkeit im Alter zuzuschreiben, allenfalls einer gewachsenen Erfahrung. So schrieb der deutsche Extrembergsteiger Ralf Dujmovits anlässlich eines Versuches, durch die Nordwand zum Everestgipfel zu gelangen, in seinem Online-Tagebuch: „Für mich kommt der Wanddurchstieg nicht in Frage. [...] Ich muss einsehen, dass ich nicht mehr so wagemutig bin wie in jungen Jahren. Vielleicht sehe ich mit jahrzehntelanger Erfahrung aber auch die Risiken und Gefahren zu sehr im Vordergrund. Vielleicht habe ich in den langen Jahren des Unterwegs-Seins auch zu viele tödliche Unfälle an den höchsten Bergen gesehen. Vielleicht ist es auch alles zusammen genommen, was mir einen Durchstieg nicht erlaubt.“

Selbstverständlich gibt es nach wie vor eine Handvoll Seilschaften, die auch sehr anspruchsvolle und objektiv gefährliche Fels- und Klettertouren nicht nur in den Alpen angehen. Durch moderne Errungenschaften wie zuverlässigere Wettervorhersagen und mobile Klemmgeräte zur Absicherung, hat das Risiko gegenüber früher allerdings beträchtlich abgenommen. Außerdem ermöglichen Handys und Rettungshubschrauber notfalls eine schnelle Flucht und reduzieren damit das Risiko, in den Bergen an einer Verletzung zu sterben.

Kletterer, die in alpinen Mehrseillängenrouten ihr persönliches Abenteuer mit einem gewissen Sicherheitspuffer suchen, finden in den beiden Bänden „Kletterführer Alpen I“ und „Kletterführer Alpen II“ von topoguide.de eine reiche Auswahl an Zielen (http://www.topoguide.de). Die Qualität des Gesteins und der Absicherung, die Anforderungen der Tour und vieles mehr wird darin detailliert beschrieben, so dass jeder vor Antritt einer Tour genau weiß, was ihn oder sie erwartet. Damit nur derjenige sich in den Bergen einen „heldenhaften Kampf“ liefern muss, der dies auch wirklich möchte.